Joel Sternfeld
Photographie
Joel Sternfeld
Photographie
Joel Sternfeld findet seine fotografischen Motive auf der Straße. Bereits zwischen 1971 und 1976 entstand mit First Pictures – Happy Anniversary Sweetie Face! die erste Bildserie. Hierfür näherte er sich mit seiner Kamera Menschen, die ihm auf der Straße, Plätzen, in Bars und Restaurants begegneten.
Stets ist es Joel Sternfeld wichtig, seine Aufnahmen mit einem Bewusstsein für die Wirkung und Bedeutung von Farbe anzulegen, also mit einer bestimmten Farbpalette zu arbeiten. Seine Beschäftigung mit der Farbtheorie von Josef Albers und den Schriften des Kunsthistorikers Clark V. Poling wie „Bauhaus Color“ waren dafür eine wichtige Quelle.
Mit den First Pictures stellte sich der Künstler in die Tradition von amerikanischen Fotografen wie Walker Evans und Dorothea Lange, um diese weiterzuführen. Diese Künstler hatten seit den 1930er-Jahren ihre Heimat bereist und mit der Kamera die Lebensumstände in den USA erfasst. Im Fokus standen dabei die Menschen und ihre sozialen Verhältnisse. Ihre Bilder prägen den Blick auf die amerikanische Nation bis heute.
Seinen Durchbruch erreichte der 1944 in New York geborene Joel Sternfeld mit der Werkgruppe American Prospects, mit Bildern von Menschen im ländlichen und vorstädtischen Amerika. Für die Realisierung dieser umfangreichen Arbeit, entstanden zwischen Ende der 1970er Jahre und Mitte der 1990er Jahre, halfen auch zwei Stipendien der Guggenheim-Stiftung 1978 und 1982. Die American Prospects zeigen die Widersprüche, Sehnsüchte, Träume und Traumata der amerikanischen Gesellschaft; sie zeigen Vorstädte des Rust Belt im Niedergang genauso wie majestätische Landschaften, die den Geist der Nation formen. Die American Prospects wurden international in Museen und Institutionen ausgestellt und in zahlreichen Publikationen gewürdigt. Bilder wie das brennende Haus mit dem Feuerwehrmann, der sich davon unberührt an einem nahe gelegenen Verkaufsstand einen Kürbis kauft, sind Ikonen geworden. „Man kann nie wissen, was sich unter einer Oberfläche oder hinter einer Fassade verbirgt“, sagt Sternfeld. Diese Erfahrung bezieht er zum einen auf die äußerliche Erscheinung von Menschen, aber auch auf die Betrachtung von Orten und Landschaften. Denn, so meint er, „unser Verständnis ist zwangsläufig Fehldeutungen unterworfen“.
Sternfeld hinterfragt das Sichtbare und stellt das Urteil des ersten Blicks in Frage, – wie bei dem Werkkomplex On This Site. Für diese Serie suchte er Orte auf, an denen in vergangenen Zeiten Verbrechen stattgefunden hatten. Damit für den Betrachtenden deutlich wird, dass der fotografierte Ort auch eine Geschichte als Tatort hat, fügt Joel Sternfeld den Bildern einen erklärenden Text hinzu.
Heute gilt Joel Sternfeld als Pionier der Farbfotografie, wie Steven Shore und William Eggleston. Sie alle verhalfen Mitte der 1970er Jahre der dokumentarischen Farbfotografie zum Durchbruch. Joel Sternfeld wird als der politischste der sogenannten New-Color-Fotografen wahrgenommen. Mit seiner Kamera begleitete er beispielsweise 2001 den G8-Gipfel in Genua und fünf Jahre später die Klimakonferenz in Montreal. Aufgrund dieses Engagements hat Joel Sternfeld für viele jüngere Künstlerinnen und Künstler eine Vorbildfunktion.
Werke des Künstlers sind unter anderem vertreten im J. Paul Getty Museum, Los Angeles; Art Institute Chicago; Museum Folkwang Essen; Metropolitan Museum of Art New York; Albertina Wien; Centre Pompidou Paris.
Für weiterführende Einblicke in das Werk des Künstlers empfehlen wir seine wegweisenden Fotobücher. Eine Auswahl finden Sie hier.